Branchencheck Papierindustrie

Branchencheck Papierindustrie

Ein Wirtschaftssektor zwischen Hamsterkäufen und fehlenden Ressourcen

Ein kleiner Beilagen-Zettel zwischen den ersten beiden Seiten eines Print-Magazins lässt Leser und Leserinnen grübeln: Wir müssen zusehen, dass wir auf die immens steigenden Preise von Papier und Druckerzeugnissen rechtzeitig reagieren. Seht uns nach, dass wir künftig unseren Kaufpreis flexibel gestalten müssen und auf Beilagen verzichten. Es sind Worte wie diese und News über fehlende Kapazitäten für beispielsweise Impfhefte, die deutlich machen, dass die Papier-Branche mit Problemen zu kämpfen hat – gerade als eine Gesellschaft mehr denn je nach tagesaktuellen Themen sucht und Zeitungen einen regelrechten Boom erleben könnten.

Klar ist: Die Angebot-Nachfrage-Instabilität der letzten Jahre durch Hamsterkäufe oder Zwangsschließungen von Buchläden und Kiosken stellen auch einen längst etablierten Sektor auf eine Probe. Die weltweit meistgenutzte Wirtschaftsauskunftei Creditsafe Deutschland hat die jüngsten Zahlen zur wirtschaftslichen Lage der Branche auf ihrem Monitor festgehalten. 

Papierbranche
Chapter 1

Umsatzeinbußen bisher ohne Auswirkungen: Überschuldete Unternehmen nehmen ab

Seit Beginn der Pandemie schwankte die Nachfrage in Papierindustrien enorm. Vielerorts deckten sich die Menschen mit Klopapier und Hygienetüchern ein, sodass Händler außerordentlich hohe Mengen bestellten. Die sogenannten Hamsterkäufe haben sich jedoch schnell wieder beruhigt, wodurch die Vorratsbestellungen noch lange ausreichten – was folgte, war ein Bestell-Tief. Laut dem Verband Deutscher Papierfabriken sank der Hygienepapierumsatz innerhalb nur eines Quartals um 8,1 Prozent. Zur Überschuldung sollte dies jedoch noch nicht führen. 

Laut Creditsafe Deutschland fiel der Wert von Unternehmen, deren Vermögen geringer als die Verbindlichkeiten sind, auf 10,6 Prozent. Zum Vergleich: In der Gastronomiebranche sind es seit letztem Jahr 22,8 Prozent. Es zeichnet sich hier deutlich ab, dass kleinere Papier-Betriebe - wie in vielen anderen Bereichen - wirtschaftlich stärker zu kämpfen haben. Hier ist der Wert mit 15,6 Prozent überschuldeten Unternehmen fast fünf Mal so hoch wie bei großen Betrieben. Ferner zeigt auch die Eigenkapitalquote mit 33,5 Prozent einen ersten Negativtrend im Vergleich zum Vorjahr.

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Finanziell gut aufgestellt: Gefahr einer Firmenpleite geringer als der Branchendurchschnitt

Ein Blick zurück auf das Jahr 2020 erinnert an geschlossene Theater, abgesagte Events und ausbleibende Besuche beim Zeitschriften- oder Buchhändler – viele Faktoren, die den Papierbedarf enorm gedrückt haben, auch wenn andernorts die Nachfrage kurzerhand stärker wurde. Jene Umstände könnten Grund für die rund 70 Insolvenzen und Geschäftsauflösungen sein, was in der Summe eine Verminderung von 2,62 Prozent aller bestehenden Betriebe bedeutet. Obwohl sich parallel dazu etwa 20 Neugründungen angekündigt haben, kann von einem Schrumpfen der Branche gesprochen werden. 

Eine Analyse der Ausfallwahrscheinlichkeit, also dem Risiko, mit der ein Unternehmen in den nächsten 12 Monaten insolvent geht, zeigt, dass sich der Wert in der Branche minimal verschlechtert hat und auf ein Prozent gestiegen ist. Im Vergleich ist der Wert jedoch noch sehr gering, auch wenn die Unternehmen mit hohem (10,7 Prozent) bis sehr hohem Risiko (15,7 Prozent) etwa ein Viertel aller Betriebe in dem Segment ausmachen - als hoch gilt eine durchschnittliche Ausfallwahrscheinlichkeit von mehr als drei Prozent.

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Engpässe, Rohstoffknappheit und Lieferketten: Digitalisierung nun wichtiger Mitspieler

Die jetzigen Lieferengpässe sind demnach sichtbare Auswirkungen der letzten zwei Jahre, in denen die Industrie nicht schnell genug auf externe Faktoren reagieren konnte. Prognosen konnten kaum bis gar nicht gemacht und Bestellmengen nur nach Vermutungen kalkuliert werden.

 Manche Lieferketten sind ganz zusammengebrochen, die Energiepreise sind in die Höhe geschnellt – nicht zuletzt durch den Ukraine-Krieg – und generell wird der Rohstoff nach und nach knapper. Hinzu kommt, dass für mehr nachgefragte Güter teils auf anderes Papier zurückgegriffen wurde. So wurden zum Beispiel für die etlichen Verpackungen der Online-Bestellungen hochwertigeres Altpapier genutzt, was dann wiederum für Bücher oder Zeitungen fehlte.

Es sind viele Kräfte, die momentan gegen die Papier-Branche wirken und doch hält sich die Wirtschaftslage bisher stabil. Nun bleibt abzuwarten, inwieweit sich Angebot, Nachfrage, Preise und Rohstoffmangel einpendeln können. Die Digitalisierung schwächt zumindest den Bedarf an Büchern und Zeitschriften enorm ab und gilt somit als wichtiger Mitspieler.

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