Aktuelle Firmeninsolvenzen in Deutschland 2021

Firmeninsolvenzen Deutschland – ein aktueller Überblick

Der Insolvenz-Monitor stellt die aktuellen Daten über die Auswirkung der COVID Pandemie auf deutsche Unternehmen dar

Insolvenzen im April deutlich unter dem Niveau der Vorjahre +++ COVInsAG (COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz) am 30.04. ausgelaufen +++  Zunahme der Insolvenzen im Mai und den Folgemonaten erwartet

Der Insolvenz-Monitor für Deutschland soll Sie dabei unterstützen, den Überblick über das aktuelle Insolvenzgeschehen zu behalten.

Im Folgenden finden Sie die Darstellung und Analyse über die Entwicklung der Firmeninsolvenzen:

Chapter 1

Überblick über die Firmeninsolvenzen in Deutschland

Die monatliche Veränderung der Insolvenzen wird in diesem Schaubild für je 10.000 Unternehmen im Zeitraum von 2018 bis heute betrachtet. 

Nach dem Anstieg der Insolvenzen im Oktober 2020, welcher auf die teilweise Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht zurückgeführt werden kann, sind sie zum Jahresende wieder rückläufig. Im April 21 sinkt die Insolvenzrate auf den niedrigsten Wert im gesamten Betrachtungszeitraum. 

Der erneute Rückgang der Insolvenzen lassen sich nur schwer auf einzelne Faktoren zurückführen. Im Zuge des weiteren Shutdowns wurden Ende des Vorjahres der Maßnahmenplan „November- und Dezemberhilfen“ von der Bundesregierung auf den Weg gebracht. Trotz der auch dort enthaltenen Sofortmaßnahmen, die eine direkte monetäre Unterstützung beinhalten, dürfte dies nur zu einer marginalen Auswirkung auf die Insolvenzen im selben Monat geführt haben - auch da die Hilfen in vielen Fällen zeitverzögert bei den Berechtigten ankommen.

Die Zeit nach der Aussetzung der Insolvenzantraspflicht wird zeigen, inwieweit diese Überbrückungsmaßnahmen marktbereinigende Effekte aufgeschoben oder doch die Zugpferde für den Wirtschaftsaufschwung durch die Krise gebracht haben. Noch ist es zu früh ein genaues Bild zu zeigen, welche Maßnahmen tatsächlich gewirkt haben und welche lediglich Herausforderungen verschoben haben. 

Peer Hitschke, Senior Data Scientist bei Creditsafe, fasst die Situation zusammen:

Die Aussetzung oder die nun eintretenden Sonderregelungen der Insolvenzantragspflicht verzerrt natürlich die reale Situation der deutschen Unternehmenslandschaft und lässt den zu erwartenden Anstieg in Gänze nur erahnen. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich dennoch Rückschlüsse auf regionale Unterschiede ziehen oder welche Branchen stärker betroffen sind und langfristig sein werden. Spannend wird in den kommenden Monaten und Jahren, inwiefern sich die Einflussnahme gelohnt hat, denn Insolvenzen sind bis zu einem gewissen Grad für einen gesunden Markt erforderlich. Sie stärken gesunde Unternehmen und unterstützen die Transformation der Wirtschaft, wobei ineffiziente Unternehmen eigentlich vom Markt verschwinden.


Peer Hitschke
Senior Data Scientist & Credit Risk Spezialist
Chapter 1

Übersicht der Firmeninsolvenzen je Bundesland

Der Graph stellt die Entwicklung der Insolvenzen in den Bundesländern je 10.000 Unternehmen der letzten 3 Jahre dar. Dabei werden zunächst diie ganzen Jahre miteinander verglichen.

Die Grafik lässt erkennen, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Über alle Bundesländer hinweg lag der Durchschnitt für die Betrachtungszeiträume 2018 und 2019 bei rund 43 bzw. 44 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. In dieser Zeit sind Länder wie Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland von vielen Insolvenzen betroffen, wohingegen Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen unter dem Durchschnitt liegen.

Für das Jahr 2020 liegt der gesamtdeutsche Durchschnitt bis Ende Dezember bei rund 37 Insolvenzen und ist damit rückläufig. Neben der Einsetzung des COVInsAG (COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetzes) sind auch andere Einflussgrößen zu beachten. Allein der Umstand, dass die zuständigen Amtsgerichte vorübergehend nicht besetzt waren und deshalb anzunehmen ist, dass es so zu Verzögerungen in der Bearbeitung der Anträge kam.

Dennoch fällt auf, dass dies unterschiedliche Effekte auf einzelne Länder hat. Bundesländer wie z.B. Brandenburg stehen hier wesentlich robuster der derzeitigen „Krise“ gegenüber als Bremen oder Rheinland-Pfalz. Generell zeigt sich, dass große und wirtschaftlich starke Bundesländer weniger volatil sind.

Die Analyse im Detail: 

Chapter 1

Firmeninsolvenzen nach Unternehmensgröße

Welchen Einfluss hat die Coronakrise auf die verschiedenen Unternehmensklassen?

Ein externer Effekt, wie die Coronakrise, entsteht nicht innerhalb eines Wirtschaftssystems oder Marktes, sondern wirkt unverschuldet von außen auf die Unternehmen. Dies spielt aber bezogen auf die Einwirkungen zunächst keine Rolle, da die nötigen Mittel zur Abwehr der Krise dieselben sind, wie bei marktinternen Effekten. In der Krise würde man erwarten, dass über alle Gruppen hinweg die Insolvenzen zunehmen, in der Tendenz aber von großen zu kleinen Unternehmen in zunehmender Anzahl.  Auffällig ist im Schaubild jedoch, dass diese Krise besonders die großen Unternehmen trifft. Welche Ursachen könnten dabei eine Rolle gespielt haben? 

Der entscheidende Unterschied im Vergleich zu vorangegangenen Krisen, ist der massive Eingriff des Staates bzw. die staatlichen Hilfen. Die Ausgestaltung der ersten Überbrückungshilfen wurde u.a. anhand der Unternehmensgrößen festgelegt. Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass nur die kleinen Unternehmen von der Staatshilfe profitierten. Sicherlich wurde mit Lufthansa ein großes Unternehmen direkt mit einer staatlichen Beteiligung gerettet, aber diese Einzelfälle fallen bei der reinen Anzahl der Insolvenzen nicht ins Gewicht. 

Wo könnten also die Gründe für die beobachteten Bewegungen liegen?

A.)  Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Grundsätzlich steht diese Befreiung der Meldepflicht mind. seit Oktober nur denjenigen Unternehmen zu, die durch die COVID-19-Pandemie in Schieflage geraten sind. Ebenso verhält es sich bei der Beantragung der staatlichen Hilfen. Aufgrund des Kapitalbedarfs und/oder der Exponiertheit großer Unternehmen kann man annehmen, dass die Prüfung im Vorfeld eben sehr viel genauer stattgefunden hat. Die von der Regierung angekündigte Kulanz wurde in höherem Maße offenbar auf kleine Unternehmen angewandt. Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sorgte dafür, dass diese Unternehmen im Markt verbleiben konnten.

B.) Unterschiedliche staatlichen Hilfen

Der Staat hat mit massiven Hilfen für eine Brechung der Pleitewelle gesorgt. Er hat dies bis zum Winter 2020 mit Überbrückungshilfen in unterschiedlicher Art mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Mitteln getan. Großen Unternehmen wurde leichter Zugang zu Krediten und Darlehen gewährt. Kleineren Unternehmen hingegen haben bis zu einer gewissen Grenze Soforthilfen in Form direkter Zahlungen erhalten. In der ersten Zeit des Shutdowns waren beide Instrumente nur bedingt geeignet die mittelgroßen Unternehmen zu unterstützen. Entscheidend ist jedoch: Kredite und Darlehen müssen irgendwann zurückgezahlt werden. Es ist also lediglich ein zeitlicher Aufschub gewährt worden. Mit zunehmender Länge der Krise wird für die Unternehmen das Risiko jedoch immer höher und der Kostendruck nimmt in Abhängigkeit der Größe überproportional zu. Das könnte dazu führen, dass trotz aller staatlicher Hilfen, große Unternehmen schneller aufgeben müssen, vor allem dann, wenn nicht absehbar ist, wie lange die Krise noch andauern wird.

Auch bezogen auf die staatlichen Erleichterungen, z.B. der Kurzarbeit profitieren die großen Unternehmen weniger stark als kleine und mittelgroße Unternehmen. Das liegt vor allem an der Höhe des Anteils der Personalkosten an den Gesamtkosten.

C.) Global aggierende Unternehmen

Die internationale Ausrichtung großer Unternehmen bietet einen gewissen Schutz vor Krisen. Lokal begrenzte oder branchenspezifische Markteintrübungen können dadurch ausgeglichen werden. In der aktuellen Situation eines weltweiten Konjunkturrückgangs kehrt sich dieser Vorteil ins Gegenteil um. 

Chapter 1

Unternehmensinsolvenzen nach Wirtschaftssektoren

Der Durchschnitt der Jahre 2018, 2019 und 2020 über alle Wirtschaftssektoren hinweg zeigt für ein jeweiligen Betrachtungszeitraum Januar bis Dezember folgendes: Noch stärker als bei den Bundesländern wird hier deutlich, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Industriezweigen gibt. Die Sektoren „Verkehr und Lagerei“, „Gastgewerbe“ und „Baugewerbe“ haben über alle Jahre hinweg eine hohe Insolvenzrate im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt. Die Gründe sind vielfältig. 

Betrachtet werden muss zuerst die Härte und Dauer der COVID19-bedingten Schließungen und wie viel Einfluss das auf den jeweiligen Geschäftsbetrieb hat. Des Weiteren spielen die überregionalen Geschäftsabhängigkeiten, die relativen Unternehmensgröße einer Branche und natürlich auch die oft viel bezifferte Systemrelevanz eine Rolle. Der hier zu sehende Rückgang der Insolvenzen lässt also keinen pauschalen Rückschluss zu. 

Wenn Märkte in eine Krise geraten erhöht sich der Druck auf die Unternehmen und deren Sektoren. Der aktuelle Effekt auf einzelne Branchen und deren Widerstandsfähigkeit ist dabei unterschiedlich ausgeprägt. Der Ausgang bleibt offen und es gibt gute Gründe für manche Branchen ein freundlicheres Szenario zu entwerfen als für andere.

Ein Faktor allerdings, der in jeder Branche derzeit für erhöhtes Risiko steht, ist die Liquidität. Der durchschnittliche Liquiditätsbestand, also die „Reichweite“ der Liquidität lag über alle Branchen bei knapp 30 Tagen. Je nach Branche variiert diese Reichweite jedoch stark und liegt im Falle der Dienstleistungsbranche beinahe nur halb so hoch wie z.B. im Baugewerbe.

Diese vielfältigen Indikatoren zur Abschätzung der "Überlebensfähigkeit" erfordern deshalb auch einer näheren Betrachtung. Unsere Serie der "Branchen-Check" möchte einen Teil dazu beitragen:

Ausgewählte Branchen-Checks

In unseren Branchen-Checks erfahren Sie, mit welchen Voraussetzungen einzelne Industriesektoren in die Krise gestartet sind und welche besonders stark von der wirtschaftlichen Ausnahmesituation betroffen sind.

Groß- und Einzelhandel

Transport und Logistik

Textilindustrie

IT - Branche

Metallindustrie

Maschinenbau

Doch nicht nur diese Industrien sollten angesichts der aktuellen Lage im Blick behalten werden. Zur Minimierung des unternehmerischen Risikos ist es sinnvoll, viele Informationen über den Markt und seine Teilnehmer jederzeit zur Verfügung zu haben. Creditsafe unterstützt Sie hierbei. Dafür bietet sich z.B. eine automatische Firmenüberwachung an, um frühzeitig über Veränderungen bei Kunden und Lieferanten informiert zu werden.

Hinweis über die Verwendung der Zahlen

Wenn Sie die Insolvenzzahlen im Rahmen einer journalistischen Tätigkeit verwenden möchten, kontaktieren Sie uns gerne.

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Chapter 1

Hintergründe und Grundlagen der Firmeninsolvenzen

Im Rahmen des von der Bundesregierung beschlossenen Schutzschilds für Unternehmen und Beschäftigte in Deutschland wurde die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen in weiten Teilen ausgesetzt. Die zunächst für den 30. September geplante Wiedereinsetzung wurde am 07. September 2020 vom Bundeskabinett bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Um die Überbrückungshilfen wirken zu lassen wurde der Stichtag nochmals um weitere 4 Wochen bis zum 31. Januar 2021 erweitert. Begründet wurde dies mit der aktuell verzögerten Bearbeitung der Anträge und der damit einhergehenden Bewilligung und Ausschüttung der sogenannten "Novemberhilfen". Doch auch im Januar 2021 konnten November- und Dezember-Hilfen nicht im ausreichenden Maße ausgeschüttet werden, weshalb das COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetzes nochmals verlängert wurde. Der Stichtag war der 30. April 2021, jedoch ist aktuell eine Neuauflage der Sonderreglung und sogar eine rückwirkende Aussetzung im Gespräch.

Die Bedingungen für die Inanspruchnahme der Sonderregelung wurde ab Oktober 2020 verschärft:

  • Ein Unternehmen ist überschuldet, aber noch nicht zahlungsunfähig
  • Die Überschuldung kann nachweislich auf die COVID-19-Pandemie zurückgeführt werden

Dieser Schritt soll den Unternehmen die nötige Zeit verschaffen, um die drohende Insolvenz dauerhaft zu überwinden. Denjenigen Unternehmen, denen es trotz der staatlichen Hilfe nicht gelungen ist, ihre Finanzlage zu stabilisieren, wird die Pflicht wieder auferlegt. Mit diesem Signal soll das Vertrauen in den Wirtschaftskreislauf wiederhergestellt werden. 

Unabhängig vom Zeitpunkt der endgültigen Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer nie dagewesen Lage. Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit die Hilfsmaßnahmen des Bundes und der Länder die richtigen Anreize gesetzt haben und ob die Kredite und Sofortmaßnahmen in der Realwirtschaft angekommen sind.

Die zweigeteilte Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht setzt die Kräfte des Marktes in Teilen wieder ein und erlaubt somit eine bessere Einschätzung des Marktgeschehens. Es ist damit zu rechnen, dass die Anzahl der Firmeninsolvenzen dadurch wieder ansteigen wird. Eine Folge der Aussetzung ist bereits, dass die Insolvenzantragspflicht nun in die Diskussion geraten ist, und Stimmen nach einer Änderung der Insolvenzordnung lauter werden.

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Hinweise zur Methodik und Statistik

Creditsafe Deutschland legt folgende Daten der Auswertung zugrunde:

 

  • Untersuchte Unternehmen

Der Fokus der Datenerhebung und Auswertung liegt auf den registrierten Unternehmen. Aufgrund der einheitlichen und transparenten Datenlage ist eine hohe Qualität und Genauigkeit gewährleistet. Dadurch ist es möglich auch kleinere Bewegungen, Trends und Marktsignale abzubilden.

Die Analyse betrachtet eine Grundgesamtheit von über 2 Mio. im Handelsregister gemeldeten Unternehmen. Dabei gilt die Definition des im Handelsregister eingetragenen Kaufmanns nach § 19 HGB.

Die Unternehmensgröße folgt der Einzelnorm nach § 267 HGB.

 

  • Insolvenzdefinition

Von den möglichen Zeitpunkten in der Phase eines Insolvenzverfahrens wird für die Datenerhebung der Zeitpunkt der Antragstellung verwendet.

 

  • Klassifikation der Wirtschaftszweige

Die Einteilung der Industriesektoren und Branchen erfolgte nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes von 2008. Sie dient der einheitlichen Verwendung und Erfassung von wirtschaftlichen Tätigkeiten von Unternehmen zur Erstellung amtlicher Statistiken. Sie berücksichtigt die Vorgaben der statistischen Systematik der Europäischen Gemeinschaft (NACE), die für alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtend ist.