Creditsafe Start-up-Insolvenzatlas

Start-up-Insolvenzatlas: Weniger Unternehmenspleiten in Deutschland

  • Mehr als 3.500 Firmen überleben die ersten drei Jahre nicht, Insolvenzrate dennoch leicht rückläufig
  • In Start-up-Hochburg Nordrhein-Westfalen scheitern die meisten Unternehmen, Insolvenzrate in Bremen steigt um 30 Prozent
  • Weltweit meistgenutzte Wirtschaftsauskunftei Creditsafe zieht regionalen Vergleich

Steiniger Aufstieg oder überraschende Pleite. Für deutsche Start-ups sind die ersten Jahre nervenaufreibend. Pünktlich zum Herbst, wo viele Jungunternehmer in ganz Deutschland wieder eifrig an ihrer Business-Idee für 2019 basteln, hat die weltweit meistgenutzte Wirtschaftsauskunftei Creditsafe einen Blick auf die Erfolgsrate deutscher Start-ups geworfen. Wie die aktuelle Datenanalyse zeigt, überleben in Deutschland mehr als 3.500 Unternehmen (3.613) die ersten drei Jahre nicht. Dennoch kein Grund für Neugründer zu zittern, denn die Insolvenzrate ist insgesamt leicht rückläufig. Wo es für Unternehmer am schwierigsten ist und in welchem Bundesland die meisten Start-ups durchkommen, zeigt der regionale Insolvenzatlas.

Der direkte Vergleich: Weniger Start-up-Insolvenzen in Deutschland

Für die Auswertung hat sich Creditsafe die ersten drei Jahre von Unternehmen, die 2013 gegründet wurden angeschaut und dies mit den ersten drei Jahren von 2014 gegründeten Start-ups verglichen. Das Ergebnis: Die Insolvenzrate ist insgesamt leicht gesunken. Sind bis Ende 2016 insgesamt 3770 Firmen gescheitert, waren es Ende 2017 nur 3613, das entspricht einer Verringerung um knapp vier Prozent. Die Auswertung zeigt allerdings Verschiebungen zwischen den Bundesländern. Absoluter Durchstarter im regionalen Ranking ist das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, dass das Geschäftsjahr 2017 mit 30 Prozent weniger Insolvenzmeldungen im Vergleich zum Vorjahr abschließt. Ähnlich positiv verlief es auch für Bayern. Das Bundesland konnte seine Insolvenzen um 15 Prozent senken. Besonders negativ dagegen die Entwicklung in Bremen. Hier sind ganze 30 Prozent mehr Start-ups gescheitert als zuvor. Auch in Baden-Württemberg hatten es Jungunternehmen schwer: Hier scheiterten insgesamt 19 Prozent mehr Gründer mit ihren Ideen.

Köln als neue Start-up-Hauptstadt

Laut dem deutschen Startup Monitor von 2018 überholte Nordrhein-Westfalen Berlin als europäische Start-up-Metropole. 2018 wurden hier 19 Prozent aller deutschen Start-ups gegründet. Doch wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Das zeigen auch die von Creditsafe ermittelten Zahlen. Bei den Insolvenzen liegt NRW im Jahr 2017 an der Spitze im bundesweiten Vergleich, vor Bayern, dass in Relation zum „Spitzenreiter“ mit 52% nur knapp die Hälfte an Geschäftsaufgaben zu verzeichnen hat. Auf den anschließenden Plätzen folgen Baden-Württemberg, 2016 noch nicht in den Top 3, mit 43% und Berlin mit 38% der Insolvenzen in Nordrhein-Westfalen. Trotz des allgemeinen Rückgangs von Start-up-Insolvenzen: „Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich die wirtschaftliche Kraft in den Start-up-Hotspots NRW, Berlin und Bayern weiter entwickelt. Insbesondere durch die fortlaufende Erhöhung des Leitzinses im Euro-Raum, ist abzuwarten, ob sich dieser positive Trend fortsetzt.“, so Michael Richards, Geschäftsführer von Creditsafe Deutschland.

Prioritäten setzen - Vor Insolvenz schützen

Eine Erklärung für die vielen Start-up-Insolvenzen könnten die Prioritäten junger Unternehmen sein. „Oftmals stehen Produkt- und Organisationsentwicklung im Fokus, die Profitabilität ist erst der zweite Gedanke“, so Richards. Start-ups gehen dabei ein viel höheres finanzielles Risiko ein als traditionelle Unternehmen. Wo sich die „alten Hasen“ bei Themen wie Meetingkultur, agile Arbeitsweisen, IT-Infrastruktur und Work-Life-Balance noch etwas abgucken können, müssen Gründer sich mehr auf schlechte Auftragslagen und unvorhergesehene Herausforderungen konzentrieren, die dann zu Zahlungsausfällen auf Grund von mangelnder Liquidität und Eigenkapital führen.

Risikomanagement in die Unternehmensstruktur integrieren

Michael Richards sieht ganz klaren Bedarf bei der Unterstützung junger Unternehmen im Risikomanagement und auch Start-ups haben diese Chance für sich erkannt und rüsten auf. Wirtschaftsauskünfte sind dabei eine solide Grundlage für alle unternehmerischen Kalkulationen. „Unsere jährliche Analyse zeigt, vor welchen Herausforderungen die jungen Unternehmen stehen. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, solide und vor allem bezahlbare Orientierungshilfen für die herausfordernden Anfänge einer Gründung anzubieten. Dazu gehört auch ein weitreichender Einblick in die finanzielle Struktur von Geschäftspartnern, Kunden und Dienstleistern, um so das eigene Risiko aktiv zu minimieren“, so Richards.