Die Höhle des Löwen: Zwischen Chancen und dem großen Verschlucken

Die Höhle des Löwen: Zwischen Chancen und dem großen Verschlucken

Ab dem 06. September 2021 brüllen sie wieder: Die Löwen aka Millionäre mit Investmentfreude starten in die zehnte Staffel und nehmen wieder junge Ideen und frische Gründer genau unter die Lupe. In Momenten voller Emotionen und dem ganz großen Deal erhoffen sich die Schöpfer endlich ein Sprungbrett in die weite Businesswelt ergattert zu haben. Zumindest in den ersten Stunden nach Ausstrahlung läuten die großen Erfolge in Online-Shops und der Bekanntheitsgrad steigt um ein Vielfaches. 

Doch wie sieht es nach Kameraschluss aus? Können die Löwen wirklich so viele Start-ups pushen und ihnen helfen, auf eigenen Füßen zu laufen? Bedeutet No-Deal automatisch Misserfolg? Die weltweit meistgenutzte Auskunftei Creditsafe Deutschland hat sich diesen Fragestellungen angenommen und vergangene Ideen der ersten bis zur achten Staffel sorgfältig inspiziert.  

Chapter 1

Hohe Quote: Jedes zweite Start-up bekommt vor der Kamera einen Deal

Der Puls wird schneller, die Hände werden langsam schwitzig und der Kopf spielt alle möglichen Szenarien durch. Die eigene Geschäftsidee bei potenziellen Investoren vorzustellen, dürfte sich anfühlen, wie bei „Wer wird Millionär“ ohne verbleibende Joker und Sicherheitsstufen vor der 1 Million Euro Frage zu stehen: Entweder das ganz große Geld oder der ganz große Rückfall. Bei den Löwen liegt die Chance auf den Gewinn bei fast 50 Prozent. Zumindest vor der Kamera haben in Staffel 1-8 insgesamt 221 von 448 aller vorgestellten Start-ups einen Deal bekommen - das sind 49 Prozent. Von allen Investments sind daraufhin 25 Prozent nach Abgang der Sendung wieder geplatzt.

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(No-)Deal-Business: Diese Unternehmen schwimmen bis heute im Ruhm

Es war der bislang größte Skandal der Fernsehsendung auf VOX: Die Pinky Gloves zur hygienischen Entsorgung von Periodenprodukten gingen quer durch alle Medien und wurden vom wohl kritischsten Publikum auf Social Media kommentiert. Prompt ist der Deal gescheitert und das Unternehmen hat sich aufgelöst. Tatsächlich gibt es aber auch das genau umgekehrte Extremum: Eine Idee, für die es in der Show kein Investment gab, die es aber nach Abgang der Sendung auch ohne die Löwen schafften. 

Zu den bekanntesten No-Deals Gewinnern gehört der Antelope Siot, ein kabelloser EMS-Fitnessanzug, dem heute ein Kreditlimit von 15 Millionen Euro zugeschrieben wird und das mit einem Bonitätsindex von 1,2 wirtschaftlich sehr stabil ist. Die Firma hat trotz Niederlage im Fernsehen doch noch ein Investment gefunden: Seit 2019 gehört Antelope nun zur BEURER Group. 

Das Unternehmen Ankerkraut hingegen hat damals einen Löwen gewonnen und ist das erfolgreichste DHDL-Produkt seit Beginn der Ausstrahlung. Das Produkt hat es vielerorts in die Regale der Einzelhandelsfilialen geschafft und glänzt auch online. Mit einem Kreditlimit von 45.000 Euro und einem Bonitätsindex von 1,5 ist die würzige Geschmacksmanufaktur aus Staffel 3 bis heute eine wirtschaftlich sehr verlässliche Firma.

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Abnehmende Qualität der Gewinner? Die Zahlen sprechen dafür

Nun ist er da – der Deal, der Traum jedes jungen Unternehmers, die Chance des großen Durchbruchs! Und doch schaffen es anschließend nur die Wenigsten. Um sich ein etwaiges Bild der wirtschaftlichen Stabilität von Unternehmen zu machen, analysiert Creditsafe Deutschland die Ausfallwahrscheinlichkeit – also inwieweit eine Firma in den nächsten 12 Monaten wohlmöglich insolvent geht. 

Aktuelle Zahlen zu jenen Start-ups, die ein Investment erlangt haben, zeigen, dass besonders die Ideen der Vierten und der letzten beiden Staffeln schlechtere Werte der Insolvenzwahrscheinlichkeit aufweisen. Hinzu kommt, dass sich vergleichsweise wenig Unternehmen in den letzten beiden Staffeln vorgestellt haben. Zum Vergleich: In der Vierten haben sich 69 Start-ups vorgestellt, in der Siebten 31 und der Achten 40 – heißt das nun im Umkehrschluss, dass die Qualität der sowieso schon wenigen Start-ups im Laufe der Staffeln abgenommen hat? Sind die Ideen schlechter geworden oder geht das „Die Höhle der Löwen“-Siegel mittlerweile mit einem Fernsehsender-Ruf einher, der nach Kurzlebigkeit und Trenderscheinung schreit? Die bisherigen Zahlen sprechen zumindest für einen Rückgang der wirtschaftlichen Stärke und der Anzahl der Kandidaten.

Insgesamt sind aus Staffel 1 – 4 bereits 17 Unternehmen insolvent gegangen, 34 wurden aufgelöst. Das sind ganze 20 Prozent aller untersuchten Start-ups der ersten Staffeln.

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Sendung gewonnen - so kann es weitergehen: Oder etwa doch nicht?

Wer bei „Die Höhle der Löwen“ ein Investment ergattert, hat die erste Hürde bereits geschafft. Der eigentliche Parcours erstreckt sich jedoch erst anschließend. Sofern der Deal bestehen bleibt, müssen sich die jungen Start-ups am Markt beweisen. Der Fernsehauftritt verleiht nur zeitweilig boomartige Aufmerksamkeit, sodass danach Marketingkonzepte und das Produkt an sich in die Käufer-Kritik geraten. Einige Unternehmen sind daran bereits gescheitert: Jeder fünfte Deal aus Staffel 1 bis 4 fand frühzeitig ein Ende, durch Insolvenzen oder Auflösungen. Das Überleben in der (Wirtschafts-)Höhle ist eben die wahre Probe.