Pleite von Thomas Cook: Wie steht es wirtschaftlich um die Urlaubsbranche?

Pleite von Thomas Cook: Wie steht es wirtschaftlich um die Urlaubsbranche?

  • Britischer Reisekonzern Thomas Cook stellt den Betrieb ein
  • Wirtschaftsauskunftei Creditsafe ermittelt allgemein leichten Anstieg an Insolvenzen in der Branche
  • Überschuldungsrate von Reisebüros und -veranstaltern höher als im Bundesdurchschnitt

Die Pleite des britischen Reisegiganten Thomas Cook erschüttert die Tourismus-Branche. Mehr als 600.000 Touristen weltweit sind von der Insolvenz betroffen. Auch auf die deutschen Tochterunternehmen hat der Konkurs Auswirkungen: Marken wie Neckermann, Bucher Reisen oder Öger Tours stellen ihren Verkauf ein. Unter deutschen Unternehmen ermittelte die Auskunftei Creditsafe in diesem Zusammenhang einen leichten Anstieg an insolventen Reisebüros und -veranstaltern. Die Informationen stützen sich dabei auf Quellen wie dem Bundesanzeiger, Unternehmensregister, Handelsregister, Insolvenzregister und -bekanntmachungen sowie manuellen Recherchen. Die Auswertung umfasst dabei alle in Deutschland eingetragenen Reisebüros, Reiseveranstalter sowie Unternehmen zur "Erbringung sonstiger Reservierungsdienstleistungen" im Tourismusbereich.

Thomas Cook Flugzeug

Harte Landung: Flugzeuge von Thomas Cook bleiben ab sofort am Boden

Chapter 1

Leichter Anstieg an Insolvenzen im vergangenen Jahr

Die Insolvenz von Thomas Cook ist einer der prominentesten und folgenschwersten Pleiten in der Tourismuswirtschaft in den vergangenen Jahren, aber kein Einzelfall. Insgesamt lag die Insolvenzrate bei Unternehmen aus den Bereichen "Reisebüro", "Reiseveranstalter" oder der "Erbringung sonstiger Reservierungsdienstleistungen im letzten Jahr bei 0,63 Prozent, was ungefähr dem Bundesdurchschnitt von 0,6 Prozent entspricht. Entgegen dem allgemeinen wirtschaftlichen Trend ist die Anzahl der insolventen Unternehmen leicht gestiegen - 2017 betrug die Rate zahlungsunfähiger Reisebüros und -veranstalter noch 0,53 Prozent. Auch in diesem Jahr zeichnet sich ein weiterer Anstieg der Insolvenzen an: Zum jetzigen Stand beträgt die Insolvenzrate 0,72 Prozent.

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Überschuldungsrate in der Reisebranche höher als der Bundesdurchschnitt

Bis zuletzt betrugen die Schulden beim ältesten Reiseveranstalter der Welt rund 1,6 Milliarden Pfund. Rund ein Viertel des Verdienstes floss dabei in die Tilgung dieser Verbindlichkeiten. Dieser Schuldenberg dürfte daher einer der Gründe für das Aus des Urlaubsmachers gewesen sein. In der deutschen Reisebranche sind etwa 18 Prozent aller Unternehmen verschuldet, weisen also ein negatives Eigenkapital aus. Diese Überschuldungrate ist somit höher als im Bundesdurchschnitt, denn branchenübergreifend lässt sich hierzulande bei rund 14 Prozent der Unternehmen eine Überschuldung feststellen.

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Urlaubsunternehmen zahlen ihre Rechnungen zu spät

Urlaubsagenturen und Reiseveranstalter aus Deutschland zahlen ihre Rechnungen durchschnittlich 5,5 Tage zu spät, dies verraten die Daten aus dem Pool an Zahlungserfahrungen von Creditsafe. Die Zahlungsmoral der Urlaubsmacher entspricht somit ungefähr dem branchenübergreifenden Bundesdurchschnitt, der bei 5,14 Tagen liegt. Vor allem kleine Unternehmen oder Firmen mit niedrigen Gewinnmargen sind häufig auf einen pünktlichen Zahlungseingang angewiesen, da sie die Kosten bei vielen Aufträgen vorschießen müssen. Eine hohe Zahlungsmoral sorgt somit nicht nur für zuverlässige Geschäftsbeziehungen, sondern beeinflusst auch die Stabilität der Branche positiv.