Aktuelle Firmeninsolvenzen in Deutschland 2020

Firmeninsolvenzen Deutschland – ein aktueller Überblick

Der Insolvenz-Monitor stellt die aktuellen Daten über die Auswirkung der COVID Pandemie auf deutsche Unternehmen dar

Die von Gesundheitsexperten angekündigte zweite Welle der COVID-19-Pandemie ist eingetreten und die ersten Bundesländer haben bereits wieder Maßnahmen beschlossen, um auf die zunehmenden Infektionsraten zu reagieren. Dies geschieht in einer Phase, in der die Politik Lockerungen zugelassen hat, auch um die deutsche Wirtschaft wieder zurück auf Wachstumskurs zu führen. 

Nun droht eine neue Welle – die Welle der Unternehmensinsolvenzen.

Im Rahmen des von der Bundesregierung beschlossenen Schutzschilds für Unternehmen und Beschäftigte in Deutschland wurde die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen in weiten Teilen ausgesetzt. Die zunächst für den 30. September geplante Wiedereinsetzung wurde am 07. September 2020 vom Bundeskabinett bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. 

Allerdings wurden die Bedingungen für die Inanspruchnahme der Sonderregelung verschärft:

  • Ein Unternehmen ist überschuldet, aber noch nicht zahlungsunfähig
  • Die Überschuldung kann nachweislich auf die COVID-19-Pandemie zurückgeführt werden

Dieser Schritt soll den Unternehmen die nötige Zeit verschaffen, um die drohende Insolvenz dauerhaft zu überwinden. Denjenigen Unternehmen, denen es trotz der staatlichen Hilfe nicht gelungen ist, ihre Finanzlage zu stabilisieren, wird die Pflicht wieder auferlegt. Mit diesem Signal soll das Vertrauen in den Wirtschaftskreislauf wiederhergestellt werden. 

Unabhängig vom Zeitpunkt der endgültigen Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer nie dagewesen Lage. Die kommenden Monate werden zeigen, inwieweit die Hilfsmaßnahmen des Bundes und der Länder die richtigen Anreize gesetzt haben und ob die Kredite und Sofortmaßnahmen in der Realwirtschaft angekommen sind.

Die zweigeteilte Wiedereinführung der Insolvenzantragspflicht setzt die Kräfte des Marktes in Teilen wieder ein und erlaubt somit eine bessere Einschätzung des Marktgeschehens. Es ist damit zu rechnen, dass die Anzahl der Firmeninsolvenzen dadurch wieder ansteigen wird. Eine Folge der Aussetzung ist bereits, dass die Insolvenzantragspflicht nun in die Diskussion geraten ist, und Stimmen nach einer Änderung der Insolvenzordnung lauter werden.

Der Insolvenz-Monitor für Deutschland soll Sie dabei unterstützen, den Überblick über das aktuelle Insolvenzgeschehen zu behalten.

Im Folgenden finden Sie die Darstellung und Analyse über die Entwicklung der Firmeninsolvenzen:

 

Chapter 1

Überblick über die Firmeninsolvenzen in Deutschland

Die Grafik zeigt die Veränderung der Insolvenzen je 10.000 Unternehmen für die Jahre 2018 - 2020.  Dabei werden jeweils die Monate miteinander verglichen.

Die in der ersten Jahreshälfte 2018 relativ konstante Anzahl an Insolvenzen steigt zum Jahresende 2018 deutlich an. Im Laufe des Jahres 2019 und fortführend im Jahr 2020 sind die Insolvenzen dann rückläufig, während sie im 1. Halbjahr 2019 noch über dem Niveau von 2018 lagen.

Seit April 2020 ist ein drastischer Rückgang der Insolvenzen zu beobachten, der auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für Unternehmen zurückzuführen ist. Diese gegenläufige Bewegung lässt sich sehr gut im Schaubild erkennen. 

Da die staatlichen Hilfen nur für „gesunde“ Unternehmen vor der Krise gedacht waren, hätte man eine schnellere Marktbereinigung und damit einhergehend eine gestiegene Insolvenzrate erwartet. Das legt den Schluss nahe, dass auch Unternehmen von der Aussetzung profitiert haben, welche unter Normalbedingungen Insolvenz angemeldet hätten.

Zusammenfassen lässt sich diese erste Auswertung im Zitat von Peer Hitschke, Senior Data Scientist bei Creditsafe:

Die Aussetzung oder die nun eintretenden Sonderregelungen der Insolvenzantragspflicht verzerrt natürlich die reale Situation der deutschen Unternehmenslandschaft und lässt den zu erwartenden Anstieg in Gänze nur erahnen. Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich dennoch Rückschlüsse auf regionale Unterschiede ziehen oder welche Branchen stärker betroffen sind und langfristig sein werden. Spannend wird in den kommenden Monaten und Jahren, inwiefern sich die Einflussnahme gelohnt hat, denn Insolvenzen sind bis zu einem gewissen Grad für einen gesunden Markt erforderlich. Sie stärken gesunde Unternehmen und unterstützen die Transformation der Wirtschaft, wobei ineffiziente Unternehmen eigentlich vom Markt verschwinden.


Peer Hitschke
Senior Data Scientist, Creditsafe
Chapter 1

Übersicht der Firmeninsolvenzen je Bundesland

Der Graph stellt die Entwicklung der Insolvenzen je 10.000 Unternehmen der letzten 3 Jahre dar. Dabei wurde jeweils der Zeitraum von Januar bis September betrachtet. 

Die Grafik lässt erkennen, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Über alle Bundesländer hinweg lag der Durchschnitt für die Betrachtungszeiträume 2018 und 2019 bei rund 33 bzw. 51 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. In dieser Zeit sind die Länder wie Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland von vielen Insolvenzen betroffen, wohingegen Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen unter dem Durchschnitt liegen.

Für das aktuelle Jahr 2020 liegt der gesamtdeutsche Durchschnitt bis Ende September bei rund 37 Insolvenzen und ist damit rückläufig. Eine genaue Aussage der zu erwartenden Insolvenzwelle auf Bundesland-Ebene lässt sich natürlich nicht genau wiedergeben, da zu viele Indikatoren in die Evaluierung eingehen. Neben der Einsetzung des COVInsAG (COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetzes) sind u.a. auch Einflussgrößen zu beachten, wie z.B. der Umstand, dass Anträge zur Insolvenz nicht oder sehr verzögert bearbeitet werden, aufgrund der Tatsache, dass die zuständigen Amtsgerichte vorübergehend nicht besetzt waren und sich die Bearbeitungszeit dadurch verlängert.

Dennoch fällt auf, dass dies unterschiedliche Effekte auf einzelne Länder hat. Bundesländer wie z.B. Brandenburg stehen hier wesentlich robuster der derzeitigen „Krise“ gegenüber als Bremen oder Rheinland-Pfalz. Generell zeigt sich, dass große und wirtschaftlich starke Bundesländer weniger volatil sind.

Chapter 1

Unternehmensinsolvenzen nach Wirtschaftssektoren

Der Durchschnitt über alle Wirtschaftssektoren hinweg lag für die Jahre 2018, 2019 und 2020 bei rund 31, 47 bzw. 35 Insolvenzen für ein jeweiligen Betrachtungszeitraum Januar bis September. Noch stärker als bei den Bundesländern wird hier deutlich, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Industriezweigen gibt. Die Sektoren „Verkehr und Lagerei“, „Gastgewerbe“ und „Baugewerbe“ haben über alle Jahre hinweg eine hohe Insolvenzrate im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt. Die Gründe sind vielfältig. 

Betrachtet werden muss zuerst die Härte und Dauer der COVID19-bedingten Schließungen und wie viel Einfluss das auf den jeweiligen Geschäftsbetrieb einnimmt. Des Weiteren spielen die überregionalen Geschäftsabhängigkeiten, die relativen Unternehmensgröße einer Branche und natürlich auch die oft viel bezifferte Systemrelevanz eine Rolle. Der hier zu sehende Rückgang der Insolvenzen lässt also keinen pauschalen Rückschluss zu. 

Wenn Märkte in eine Krise geraten erhöht sich der Druck auf die Unternehmen und deren Sektoren. Der aktuelle Effekt auf einzelne Branchen und deren Widerstandsfähigkeit ist dabei unterschiedlich ausgeprägt. Der Ausgang bleibt offen und es gibt gute Gründe für manche Branchen ein freundlicheres Szenario zu entwerfen als für andere.

Ein Faktor allerdings, der in jeder Branche derzeit für erhöhtes Risiko steht, ist die Liquidität. Der durchschnittliche Liquiditätsbestand, also die „Reichweite“ der Liquidität lag über alle Branchen bei knapp 30 Tagen. Je nach Branche variiert diese Reichweite jedoch stark und liegt im Falle der Dienstleistungsbranche beinahe nur halb so hoch wie z.B. im Baugewerbe.

Diese vielfältigen Indikatoren zur Abschätzung der "Überlebensfähigkeit" erfordern deshalb auch einer näheren Betrachtung. Unsere Serie der "Branchen-Check" möchte einen Teil dazu beitragen:

Ausgewählte Branchen-Checks

In unseren Branchen-Checks erfahren Sie, mit welchen Voraussetzungen einzelne Industriesektoren in die Krise gestartet sind und welche besonders stark von der wirtschaftlichen Ausnahmesituation betroffen sind.

Transport und Logistik

Textilindustrie

IT - Branche

Doch nicht nur diese Industrien sollten angesichts der aktuellen Lage im Blick behalten werden. Zur Minimierung des unternehmerischen Risikos ist es sinnvoll viele Informationen über den Markt und seine Teilnehmer jederzeit zur Verfügung zu haben. Creditsafe unterstützt Sie hierbei. Dafür bietet sich z.B. eine automatische Firmenüberwachung an, um frühzeitig über Veränderungen bei Kunden und Lieferanten informiert zu werden.

Hinweis über die Verwendung der Zahlen

Wenn Sie die Insolvenzahlen im Rahmen einer journalistischen Tätigkeit verwenden möchten kontaktieren Sie uns gerne.

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Auf der Creditsafe-Plattform finden Sie tagesaktuelle Informationen zu über 365 Mio. Unternehmen weltweit - inklusive Bonitätsindex, Zahlungserfahrungen zu einzelnen Firmen, Gruppenstrukturen von Konzernen, Geschäftsführerauskünfte und vieles mehr.

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Hinweise zur Methodik und Statistik

Creditsafe Deutschland legt folgende Daten der Auswertung zugrunde:

 

  • Untersuchte Unternehmen

Der Fokus der Datenerhebung und Auswertung liegt auf den registrierten Unternehmen. Aufgrund der einheitlichen und transparenten Datenlage ist eine hohe Qualität und Genauigkeit gewährleistet. Dadurch ist es möglich auch kleinere Bewegungen, Trends und Marktsignale abzubilden.

Die Analyse betrachtet eine Grundgesamtheit von über 2 Mio. im Handelsregister gemeldeten Unternehmen. Dabei gilt die Definition des im Handelsregister eingetragenen Kaufmanns nach § 19 HGB.

 

  • Insolvenzdefinition

Von den möglichen Zeitpunkten in der Phase eines Insolvenzverfahrens wird für die Datenerhebung der Zeitpunkt der Antragstellung verwendet.

 

  • Klassifikation der Wirtschaftszweige

Die Einteilung der Industriesektoren und Branchen erfolgte nach der Klassifikation der Wirtschaftszweige des Statistischen Bundesamtes von 2008. Sie dient der einheitlichen Verwendung und Erfassung von wirtschaftlichen Tätigkeiten von Unternehmen zur Erstellung amtlicher Statistiken. Sie berücksichtigt die Vorgaben der statistischen Systematik der Europäischen Gemeinschaft (NACE), die für alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtend ist.